Freihandelsabkommen mit China

Optimiertes Freihandelsabkommen erleichtert Handel mit China

Oktober 30, 2026 - Lesezeit: 6 Minuten

Die Schweiz hat als eines der ganz wenigen europäischen Länder (und als erster kontinentaleuropäischer Staat überhaupt) bereits im Juli 2013 ein bilaterales Freihandelsabkommen mit China unterzeichnet, welches am 1. Juli 2014 in Kraft trat. Die Verhandlungen zur Optimierung dieses Abkommens wurden im August 2026 erfolgreich beendet, und im Oktober 2026 erneuerten Bundespräsident Guy Parmelin und Chinas Präsident Xi Jinping das modernisierte Abkommen in Peking.

Anders als die EU und die USA führt die Schweiz keinen Handelskrieg gegen China: Während die EU erhebliche Strafzölle (etwa auf chinesische Elektroautos) verhängt hat und die USA einen offenen Handelskonflikt mit China austragen, setzt die Schweiz weiterhin auf diplomatische Annäherung und Freihandel, um ihren Exporteuren Marktzugang zu verschaffen.

Abkommen mit China

Bundespräsident Guy Parmelin hat sich am Freitag, 30. Oktober 2026, mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping über die bilateralen Beziehungen beider Länder ausgetauscht und aktuelle internationale Themen erörtert. Die Schweiz und China vertiefen ihre Beziehungen namentlich in den Bereichen Handel und Wissenschaft. Im Rahmen des Besuchs wurden mehrere Abkommen unterzeichnet, darunter das optimierte bilaterale Freihandelsabkommen, das damit verbundene Abkommen über die Zusammenarbeit bei Arbeit und Beschäftigung und ein Abkommen über die geregelte Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung.

Beim Gespräch des Bundespräsidenten mit Präsident Xi wurden die Meilensteine in den bilateralen Beziehungen betont, insbesondere die Aufnahme diplomatischer Beziehungen 1950, das erste chinesische Freihandelsabkommen mit einem europäischen Land 2014 und die Verständigung auf eine «Innovative Strategische Partnerschaft» 2016. Der rasche Abschluss der Verhandlungen zum optimierten Freihandelsabkommen wurde als Zeichen der Unterstützung für das regelbasierte, auf die WTO ausgerichtete multilaterale Handelssystem gewürdigt. Das optimierte Abkommen biete den Wirtschaftsakteuren beider Seiten einen modernen und umfassenden Rahmen für Handel und Investitionen.

Erwähnt wurden auch die bilateralen Dialoge, die in rund 30 Politikbereichen geführt werden. Die letzte Runde des Dialogs zu den Menschenrechten fand am 19./20. Oktober in Bern statt. Auf technischer Ebene wurde im Januar ein Austausch über den Strafvollzug durchgeführt. Ebenfalls zur Sprache kamen die globale und die regionale Sicherheitslage. Der Bundespräsident betonte, wie eng die Sicherheit und Stabilität Europas und Ostasiens sowohl in menschlicher wie in wirtschaftlicher Hinsicht verbunden seien.

Optimiertes Freihandelsabkommen erleichtert Handel mit China

Die Unterzeichnungszeremonie fand im Anschluss an das Gespräch im Beisein des Bundespräsidenten und des chinesischen Präsidenten statt. Mit der Optimierung des 2014 in Kraft getretenen Freihandelsabkommens zwischen der Schweiz und China wird der Zugang zum chinesischen Markt für Schweizer Waren und Investitionen verbessert. Zudem werden die Vorgaben zum Umwelt- und Arbeitnehmerschutz weiter gestärkt – zum ersten Mal in einem Freihandelsabkommen Chinas in einem rechtsverbindlichen Kapitel zu Handel und nachhaltiger Entwicklung.

Ebenfalls unterzeichnet wurde am Freitag ein mit dem Freihandelsabkommen verbundenes Abkommen über die Zusammenarbeit im Bereich Arbeit und Beschäftigung.

Mehr Rechtssicherheit in der bilateralen Forschungszusammenarbeit

Beide Länder sind sich zudem einig, dass sie die grenzüberschreitende Verwaltung wissenschaftlicher Daten regeln wollen. Das ermöglicht Schweizer Forscherinnen und Forschern, mit ihren chinesischen Partnerinnen und Partnern in einem sichereren rechtlichen Rahmen Forschungsdaten auszutauschen. Die Schweiz und China unterzeichneten ein entsprechendes Abkommen.

Auf dem Besuchsprogramm bis Samstag stehen Gespräche mit weiteren Mitgliedern der chinesischen Regierung; Bundespräsident Parmelin wird sich mit Handelsminister Wang Wentao, Arbeits- und Sozialministerin Wang Xiaoping, Bildungsminister Huai Jinpeng und Wissenschaftsminister Yin Hejun austauschen. Geplant sind auch Treffen mit führenden Wirtschaftsvertretern beider Länder und die Eröffnung des 9. schweizerisch-chinesischen Wirtschaftsforums. Eine Wirtschafts- und Wissenschaftsdelegation begleitet die Reise.

Tech-Verband Schweiz: ""Wichtiger Durchbruch für die Schweizer Tech-Industrie""

Der Verband der Schweizer Technik-Industrie begrüsst die Unterzeichnung des modernisierten Freihandelsabkommens zwischen der Schweiz und China. Es beseitigt bedeutende Zollhürden für die Schweizer Tech-Industrie – insbesondere für Maschinen und Präzisionsprodukte. Auch Arbeitsrechte und Umweltbestimmungen werden mit dem weiterentwickelten Abkommen gestärkt. Jetzt braucht es eine rasche Ratifikation durch das Schweizer Parlament und einen sachlichen Dialog mit der Bevölkerung, die aller Wahrscheinlichkeit nach per Volksentscheid über das Abkommen befinden wird.

Techindustrie-Präsident Martin Hirzel wohnte der Unterzeichnung bei. Für die Schweizer Tech-Industrie ist die Modernisierung ein grosser Schritt: Das seit 2014 bestehende Abkommen bietet zwar wichtige Zollvorteile, doch gerade bei Hochtechnologieprodukten bestehen weiterhin erhebliche Hürden. Deren Abbau verbessert den Zugang zu einem wichtigen Markt und beseitigt einen Nachteil gegenüber Konkurrenten mit fortschrittlicheren Freihandelsabkommen, wie Singapur oder Südkorea.

«China ist für die Schweizer Tech-Industrie nicht nur ein Markt, sondern auch ein Seismograf für die eigene Wettbewerbsfähigkeit: Wer in China erfolgreich sein will, muss mit den chinesischen Unternehmen bezüglich Geschwindigkeit, Skalierung und Technologie mithalten können. Wir werden China nicht mit chinesischen Rezepten schlagen, sondern indem wir unsere eigenen Stärken bezüglich Qualität und Innovationskraft mit mehr Tempo, Kundennähe und Serviceorientierung verbinden», so Martin Hirzel.

Substanzieller Zollabbau für Maschinen und Präzisionsprodukte

Mit Inkrafttreten des modernisierten Abkommens sollen mittelfristig 99,8 Prozent der Schweizer Exporte zollfrei nach China gelangen können, gegenüber heute 53,6 Prozent. Besonders profitieren Maschinen und Präzisionsinstrumente. Für die Schweizer Tech-Industrie haben die verbleibenden Zollhürden ein erhebliches Gewicht: Die bislang nicht zollbefreiten fünf Prozent der Zolltariflinien machen 14 Prozent ihrer Exporte nach China aus. Neben dem Zollabbau bringt das modernisierte Abkommen zeitgemässe Ursprungsregeln, Handelserleichterungen und bessere Rahmenbedingungen für Investitionen. Damit verbessert es die Voraussetzungen für Schweizer Unternehmen, sich im anspruchsvollen chinesischen Markt zu behaupten. Davon profitieren insbesondere exportierende KMU.

Starkes Bekenntnis zu Arbeits- und Umweltstandards

Auch die Nachhaltigkeit wird verbindlich gestärkt: China verpflichtet sich erstmals in einem FHA zur Achtung grundlegender Arbeitsrechte, einschliesslich des Verbots von Zwangs- und Kinderarbeit. Die Umweltbestimmungen sind Chinas bisher ambitionierteste in einem Handelsabkommen und umfassen die Umsetzung des Pariser Klimaübereinkommens. Hinzu kommen Bestimmungen zu verantwortungsvollem unternehmerischem Handeln mit Bezug auf die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte. Expertenpanels können Streitfragen zu Umwelt und Arbeit prüfen und Empfehlungen abgeben.

Chancen nutzen – Abkommen rasch ratifizieren

China ist ein wichtiger Wirtschaftsmotor und ein bedeutender Markt für Schweizer Produkte und Dienstleistungen. Wer an dieser wirtschaftlichen und technologischen Dynamik teilhaben will, braucht einen verlässlichen Marktzugang. Das modernisierte Freihandelsabkommen stärkt diesen Zugang. Dabei gilt es, die Chancen mit Augenmass zu nutzen: Der Wettbewerb ist intensiv, die Spiesse nicht immer gleich lang. Der Schutz von Wissen und Technologie bleibt deshalb wichtig. Als Teil eines breiten Freihandelsnetzes eröffnet das Abkommen zusätzliche Absatzmöglichkeiten und hilft, einseitige Abhängigkeiten zu verringern. Mit der Stärkung auch von Arbeits- und Umweltstandards sollten alle Seiten über das Verhandlungsresultat erfreut sein, so der Verband weiter. 

(pd, rm)

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